KI-Boom auf Pump: Werden steigende Zinsen zum Systemrisiko?
Der aktuelle Neuwirth Finance Zins-Kommentar
Die KI-Infrastruktur trägt das US-Wachstum, und sie wird zunehmend mit Schulden bezahlt. Was geschieht, wenn dieses Modell auf Mehrjahreshochs bei den Renditen trifft? Und warum betrifft uns das in Europa? Erfahren Sie dies in der heutigen Ausgabe des Zinskommentars.
Wer Die Dimension ist enorm. Die Investitionen der Hyperscaler nähern sich dieses Jahr 800 Milliarden US-Dollar und sollen von 2027 bis 2030 jährlich über eine Billion betragen. Fast 500 Milliarden Dollar an KI-bezogenen Schulden wurden 2026 bereits emittiert, etwa ein Drittel der Investitionen ist fremdfinanziert.
Das erste Risiko ist eine Rückkopplung. Die Schuldenflut konkurriert mit dem Staat um dasselbe Kapital. Fed-Chef Warsh sagt, der Wettbewerb um Kapital erkläre den Renditeanstieg teilweise. Nomura schätzt, dass die Kreditaufnahme der größten Tech- Konzerne rund 25 Prozent der Netto-Neuemissionen von US-Staatsanleihen an Privatanleger entspricht. Das ist umstritten: Pimco fand keinen signifikanten Renditeanstieg rund um die sechs größten KI-Anleiheemissionen. Auch Ölpreis und die Fed-Zinspolitik spielen aus Pimcos Sicht die größere Rolle.
Gefährlicher sind die schwächeren Glieder der Kette. Alle vier Hochzinsanleihen für Rechenzentren seit Juli mussten mit Abschlag platziert werden. Der IWF warnt in seinem Stabilitätsbericht vor zirkulärer Finanzierung als Verstärker. Eine Korrektur könne Zwangsverkäufe, höhere Risikoaufschläge und eine restriktivere Kreditvergabe auslösen, mit Private-Credit-Fonds und schwächeren Banken als Kanälen.
Der Oktober hat diese Mechanik sichtbar gemacht. Die zehnjährige US-Rendite erreichte 5,36 Prozent, fiel nach dem KI-getriebenen Ausverkauf am 22. Oktober aber unter 5,00 Prozent. Die Ausfallprämien mehrerer KI-Firmen weiteten sich aus. CoreWeave verlor im Oktober 38 Prozent. Die Anleger flohen in Staatsanleihen. Die KI trieb also die Renditen, und die Furcht vor ihrem Scheitern senkt sie wieder. Das ist kein stabiles Gleichgewicht.
Für Europa gibt es drei Übertragungswege. Der erste sind Aktien: ASML, Infineon und STMicroelectronics verloren 2,00 bis 6,00 Prozent, als der Ausverkauf Europa erreichte. Der zweite sind Staatsanleihen, wo die schwächsten Glieder zuerst reißen. Frankreichs Rendite lag mit 5,08 Prozent über der US-Rendite. Der Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen, also die Zusatzrendite für das höhere Risiko, stieg auf 1,75 Prozentpunkte., den höchsten Stand seit 2011. Europäische Bankaktien fielen um 4,20 Prozent. Die Ursache ist dort vor allem das fiskalische und politische Risiko, nicht ein globaler Zinsanstieg. Doch wer wegen KI-Sorgen weniger Risiko will, verkauft zuerst die Schwächsten. Der dritte Weg ist die Kreditvergabe. Eine Verknappung träfe auch die deutschen Immobilienfinanzierer, bei denen rund ein Viertel der Finanzierungen in den nächsten zwei Jahren fällig wird.
Ein Zusammenbruch ist kein Automatismus. Der IWF sieht die Kapitalpuffer der Banken selbst in einem KI-Abschwung als robust. Das Risiko liegt bei Nichtbanken wie Private Credit, Versicherern und Pensionsfonds. Entscheidend sind jetzt die Fed-Sitzung und die weitere Entwicklung der Langfristzinsen.
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