Minus 1 Prozent auf 10-jährige Bundesanleihe bis Ende 2019 möglich?

Der aktuelle Neuwirth Finance Zins-Kommentar

Viele Wirtschaftsindikatoren bestätigen die derzeitige Abschwächung der weltweiten Konjunktur. In dem Zusammenhang stellte die amerikanische Notenbank (Fed) drei Zinssenkungen für dieses Jahr in Aussicht. Ebenso scheint die Europäische Zentralbank (EZB) willens neue Anleihekaufprogramme zu starten und das Wirtschaftssystem noch expansiver mit Liquidität zu füttern. Das drückt auf die Renditen vieler Anleihen in der Eurozone und in den USA. Erfahren Sie in der heutigen Ausgabe unseres Zinskommentars warum die Zinsen auf zehnjährige Bundesanleihen bis zum Ende des Jahres auf bis -1 Prozent fallen könnten.

Markt-Monitoring und Ausblick

Kurzfristiger Zins: Der 3-Monats-Euribor fällt marginal und steht bei aktuell - 0,345%. Die EZB wird Ihre Geldpolitik weiter lockern. Bis Mitte 2020 erwarten wir deshalb einen leichten Zinsrückgang in Richtung -0,40%.

Langfristiger Zins: Der 10jährige SWAP-Satz steht derzeit bei 0,10%. Wir erwarten zukünftig weiter niedrige SWAP-Sätze zwischen 0,00% - 0,75% bis Ende des Jahres, schließen aber erstmalig negative, 10-jährige SWAP-Sätze nicht aus.

Minus 1 Prozent auf 10-jährige Bundesanleihe bis Ende 2019 möglich?

Bis Mitte 2020 wird es keine Leitzinserhöhung in der Eurozone geben – das verkündete die EZB Anfang Juni. Diese Entscheidung könnte den Negativtrend am Anleihemarkt weiter verschärfen. Seit Anfang des Jahres sind die Zinsen auf Wertpapiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren um ca. 50 Basispunkte gefallen (Vgl. Abbildung 1). Verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage weiter und die EZB tätigt gegebenenfalls neue Nettozukäufe am Anleihemarkt, könnten die Renditen noch wesentlich weiter ins Negative rutschen. Zuletzt betrug die Rendite auf zehnjährige Bundesanleihen -0,31 Prozent. Deutsche Staatsanleihen gelten als äußerst sicher und werden oft als Benchmark für risikofreie Anlagen verwendet.

Abbildung 1: Zehnjährige Bundesanleihe; Rendite im freien Fall

20190702 Abbildung 1

Quelle: Bundesbank (2019), eigene Darstellung 

So muss beispielsweise Italien aufgrund der wirtschaftliche Schieflage einen gewissen Risikoaufschlag zahlen, unabhängig von der zugrundeliegenden Geldpolitik. Dieser betrug im April 2019 über 2,5 Prozent (Vgl. Abbildung 2). Das (Zins-)Schicksal der Eurozone hängt aufgrund des wirtschaftlichen Gewichtes an der Entwicklung Italiens. Schafft es der italienische Staat nicht wirtschaftliche und politische Stabilität zu garantieren und zu etablieren, wird die EZB - unabhängig von der Staatszugehörigkeit des zukünftigen Präsidenten - reagieren müssen, um die steigenden Risikoaufschläge zu kompensieren. Italien muss immer in der Lage sein, sich über den Anleihemarkt zu refinanzieren. Griechenland konnte dem Euro bereits erstaunlich gefährlich werden; Italien ist eine ganz andere Hausnummer.

Abbildung 2: Risikoaufschläge auf zehnjährige italienische Staatsanleihen

20190702 Abbildung 2

Quelle: Fed of St. Louis, eigene Darstellung

Etwas Hoffnung macht das zuletzt leicht gestiegene Geldmengenwachstum. So scheint zumindest wieder etwas mehr Liquidität im System anzukommen um der Inflation wieder auf die Beine zu helfen. Am derzeitigen Ausblick für dieses Jahr ändert das jedoch wenig. Die Zinsen am deutschen Anleihemarkt werden fallen. Wie weit ist noch offen.

Einen wunderschönen Tag wünscht Ihr Kurt Neuwirth

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