Zinsen bleiben auch 2020 niedrig

Der aktuelle Neuwirth Finance Zins-Kommentar

Wie jedes Jahr im Dezember gibt die vorweihnachtliche Zeit Anlass über das vergangene Jahr zu resümieren. Die Erwartungshaltung an das Jahr 2019 war eher bescheiden. Die meisten Marktteilnehmer hatten ein steigendes Zinsumfeld erwartet. Hauptthemen sollten der Handelskrieg zwischen Amerika und China und der Brexit sein. Doch dann überraschte die Europäische Zentralbank (EZB) am 12.September mit der Entscheidung nicht nur die Einlagefazilität um 10 Basispunkte zu senken, sondern auch ein neues Anleihekaufprogramm über 20 Milliarden Euro zu starten. Das löste wiedermal ein großes Echo in der deutschen Medienlandschaft aus. Zentrales Thema hierbei: Der deutsche Sparer wird enteignet. Doch wie sieht es für das Jahr 2020 aus? Erfahren Sie in der heutigen Ausgabe des Zinskommentars, ob mit weiteren Zinssenkungen im nächsten Jahr zu rechnen ist.

Markt-Monitoring und Ausblick

Kurzfristiger Zins: Der 3-Monats-Euribor verharrt weiterhin im negativen Bereich und steht aktuell bei - 0,393%. Die EZB wird Ihre Geldpolitik weiter lockern. Bis Mitte 2020 erwarten wir deshalb einen weiteren leichten Zinsrückgang in Richtung - 0,50%.

Langfristiger Zins: Der 10jährige SWAP-Satz steht derzeit bei 0,03%. Mit Sicht auf die nächsten 6- 12 Monate rechnen wir eher mit negativen, 10-jährigen SWAP-Sätzen.

Zinsen bleiben auch 2020 niedrig

Zunächst gab es zum 01.12.2019 einen personellen Wechsel an der Spitze der EZB. Christine Lagarde ersetzte zur Freude der meisten Markteilnehmer Mario Draghi als neue Chefin. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass die ehemalige Präsidentin des Internationalen Währungsfonds (IWF) den geldpolitischen Kurs Mario Draghis fortsetzen wird. Einen ersten Eindruck auf ihre angestrebte Führungsweise wird man am 12. Dezember im Anschluss des Zusammenkommens des EZB-Rates bekommen. So wird Christine Lagarde in der traditionellen Pressekonferenz darlegen, welche geldpolitischen Entscheidungen der EZB-Rat getroffen hat und warum.

Ob die Zinsen steigen oder nicht hängt letztendlich von der Inflation ab. Ein Blick auf die Zinsen bleiben auch 2020 niedrig Preisentwicklung des letzten Jahres macht jedoch wenig Mut. Die Inflation sank von Ende 2018 bis heute um mehr als 1 Prozentpunkt (Vgl. Abbildung 1). Verantwortlich dafür sind vor allem - wie so oft - die niedrigen Energiepreise. Derzeit liegt die Kerninflation (Energie- und Lebensmittelpreise ausgenommen) infolge des Ölpreiszerfalls sogar über der Inflation. In den USA verlief die Preisentwicklung ähnlich, aber auf einem höheren Niveau. So betrug die Kerninflation im Oktober 2,3 Prozent und schafft zumindest eine Basis für mögliche Zinsanpassungen. Für die Eurozone hingegen bleibt das Inflationsziel von annähernd 2 Prozent weiterhin außer Reichweite. Glaubt man den Projektionen der EZB wird sich daran im nächsten Jahr auch nichts ändern: Für das Jahr 2020 wird lediglich von einer durchschnittlichen Inflationsrate von 1 Prozent ausgegangen. Damit ist für das kommende Jahr mindestens mit einer Stagnation der Zinsen zu rechnen.

Abbildung 1: Inflation im Jahr 2019 auf Talfahrt

20191210 Abbildung 1

Quelle: Fed of St. Louis (2019), Eurostat (2019); eigene Darstellung

Ein wichtiges Datum für das nächste Jahr wird die Präsidentschaftswahl im November in den USA sein. Ungewiss bleibt weiterhin der Ausgang des Brexits. Darüber hinaus könnte eine Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums infolge des Handelskrieges mit den USA insbesondere Deutschland schaden und rezessive Tendenzen in der Eurozone verstärken. Das wiederum könnte die EZB dazu veranlassen die Einlagefazilität von 0,5 Prozent auf 0,6 Prozentpunkte zu senken. Aktienbesitzer sollte das erfreuen. Doch es stellt sich weiterhin die Frage, wann und wie intensiv wir in die nächste Krise rutschen werden.

Der Zinskommentar von Neuwirth Finance geht in die Weihnachtsferien. Unsere nächste Einschätzung zu den Zins-Entwicklungen und den weiteren Aussichten für das neue Jahr dürfen Sie am 14. Januar lesen.
Bis dahin wünschen wir Ihnen gesegnete und besinnliche Feiertage und einen guten Start in ein erfolgreiches Jahr 2020.

Gefällt Ihnen unser Zins-Kommentar und haben Sie Wünsche oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns gerne direkt an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Einen wunderschönen Tag wünscht Ihr Kurt Neuwirth

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