Wird 2021 alles besser?

Der aktuelle Neuwirth Finance Zins-Kommentar

Obwohl vieles auf eine Verlängerung des Lockdowns hindeutet, blickt ein Großteil der Marktteilnehmer optimistisch in die Zukunft. Das Hoffen auf ein baldiges Ende der Pandemie beruht hauptsächlich auf der Immunisierung der Bevölkerung durch breitangelegte Impfungen. Ist diese Zuversicht berechtigt oder drohen der europäischen Wirtschaft weitere Rückschläge? Erfahren Sie in der heutigen Ausgabe des Zinskommentars mehr über die wesentlichen Risikofaktoren für Europa für das Jahr 2021.

Markt-Monitoring und Ausblick

Kurzfristiger Zins: Der 3-Monats-Euribor fällt seit Mitte März 2020 von - 0,161% auf aktuell - 0,545%. Bis Mitte 2021 erwarten wir einen Seitwärtsverlauf zwischen - 0,50% und - 0,60%. Dieser orientiert sich an der Einlagenfazilität der EZB.

Langfristiger Zins: Der 10jährige SWAP-Satz/3M steht derzeit bei - 0,30%. Mit Sicht auf die nächsten 6-12 Monate rechnen wir eher weiterhin mit negativen, 10-jährigen SWAP-Sätzen.

Wird 2021 alles besser?

Das größte und offensichtlichste Risiko für die europäische Wirtschaft liegt in der Entwicklung und Bekämpfung der Covid-19-Pandemie. Gemessen wird es anhand der Infektionszahlen und der Bereitstellung und Akzeptanz von Impfungen. Das Infektionsgeschehen ist weiterhin kritisch und erlaubt noch keine Lockerung der implementierten Restriktionen. Was die Impfungen betrifft, liegt das Problem derzeit auf der Angebotsseite. Der anfängliche Bedarf für geeignete Impfdosen ist riesig und größer als erwartet, weshalb Unternehmen wie BioNTech Schwierigkeiten haben mit der Produktion hinterherzukommen. Die von der Europäische Union (EU) veranschlagten Impfdosen in Höhe von 300 Millionen reichen nicht, weswegen nachbestellt werden muss. Über den Verlauf des Jahres wird die Akzeptanz der Impfungen immer wichtiger. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, müssen sich laut der Bundesregierung zwischen 60 und 70 Prozent impfen lassen bzw. immun gegen den Covid-19 Virus sein. Das Zusammenspiel aus Impfungen und der Eindämmung der Infektionszahlen ist entscheidend für die Bestimmung von Einschränkungen wie z.B. Ladenschließungen und damit die wirtschaftliche Entwicklung.

Ein weiterer Risikofaktor ist eine sich schnell erholende Inflation, ausgelöst durch die Geldschwemme geld- und fiskalpolitscher Notfallmaßnahmen. Noch nie war der Anstieg der Geldmenge so rapide. Sollten die Preise sich schneller erholen, als erwartet, muss die EZB gegebenenfalls gegensteuern und die Ankäufe von Anleihen stoppen oder gar die Zinsen erhöhen. Das würde sich hemmend auf die gesamte Wirtschaft und die Vermögenspreise wie Immobilien und Aktien auswirken. Bisher ist das Risiko einer stark anziehenden Inflation eher gering. Die EZB erwartet derzeit einen Anstieg der HVPI-Inflation von 0,2 % im Jahr 2020 auf 1,0 % im Jahr 2021.

Außerdem besteht ein gewisses Risiko in der Effektivität und Effizienz der Geld- und Fiskalpolitik. Zwar besteht darin immer ein Risiko, dennoch ist dies in Krisen von besonderer Bedeutung. Inzwischen belaufen sich die versprochenen Mittel der EZB auf 1,85 Billionen Euro bis Ende März 2022. Zudem verabschiedete die EU das sog. Next Generation EU-Paket über 750 Milliarden Euro. Es ist essenziell, dass die Mittel an richtiger Stelle eingesetzt werden und die EU nachhaltig stärkt. Fehler, die am Anfang der Pandemie gemacht worden sind, sollten im Verlauf dieses Jahres vermieden werden.

Darüber hinaus stehen einige Wahlen in der EU an, unter anderem in Deutschland und den Niederlanden (Vgl. Tabelle 1). Am wichtigsten wird die Bundestagswahl am 26. September und die darauffolgende Regierungsbildung sein. Auch wenn nationale Wahlen nur ein geringes Risiko für den wirtschaftlichen Verlauf Europas mitbringen, könnte sich eine Hängepartie wie bei der letzten Bundestagswahl negativ auswirken.

Ein anderer Risikofaktor, der schon vor der Krise relevant war, sind die globalen Handelskonflikte zwischen den USA und China oder den USA und Europa. An der Tatsache, dass die USA eine negative Handelsbilanz hat, wird sich auch in der Zukunft nichts ändern. Die Regierung rund um den neuen US-Präsidenten Joe Biden wird bemüht sein dies zu ändern. Das dürfte zwar diplomatischer vonstattengehen, jedoch sind Strafzölle weiterhin denkbar.

Am Ende bleibt die große Unbekannte. Unvorhersehbares kann immer geschehen und sollte in jeder Strategie berücksichtigt werden, wie z.B. Notfallreserven.

Tabelle 1: Relevante Ereignisse für das Jahr 2021

  • 21. Januar - EZB-Ratssitzung
  • 11. März - EZB-Ratssitzung
  • 17. März - Wahl Niederlande
  • 22. April - EZB-Ratssitzung
  • 10. Juni - EZB-Ratssitzung
  • 22. Juli - EZB-Ratssitzung
  • 9. September - EZB-Ratssitzung
  • 26. September - Bundestagswahl
  • 28. Oktober - EZB-Ratssitzung
  • 16. Dezember - EZB-Ratssitzung

Die EZB wird in diesem Jahr neun Mal zusammenkommen, um über die geldpolitische Ausrichtung zu entscheiden (Vgl. Tabelle 1). Viele Marktteilnehmer beobachten genau, was die Ein weiterer Risikofaktor ist eine sich schnell erholende Inflation, ausgelöst durch die EZB unternimmt, weshalb es unbedingt notwendig ist die geldpolitischen Entschlüsse zu verfolgen. Am Ende des Tages bleibt der Ausgang der Pandemie entscheidend für die wirtschaftliche Erholung Europas, jedoch sollten andere Risikofaktoren nicht vollkommen außer Acht gelassen werden, da sich diese im Zusammenspiel mit der Pandemie sehr stark auf die Wirtschaft auswirken können.

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Einen wunderschönen Tag wünscht Ihr Kurt Neuwirth

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